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Was Europa an Weihnachten isst: Festtagsbräuche im Überblick

Von |20. Oktober 2026|Lesezeit: 4,1 Min.|

Bild: kaboompics / Pexels.com

- ANZEIGE - Zwölf Gerichte in Polen, ein nächtliches Festmahl in Frankreich, Truthahn und Knallbonbons in Großbritannien: Europas Weihnachtstafeln sind so vielfältig wie ihre Bräuche. Entdecken Sie, was in anderen Ländern auf den Tisch kommt – und lassen Sie sich für das eigene Fest inspirieren.

Gans mit Rotkohl, Würstchen mit Kartoffelsalat, Raclette in geselliger Runde: In Deutschland hat fast jede Familie ihr festes Weihnachtsritual. Doch wie sieht der Festtagstisch eigentlich ein paar hundert Kilometer weiter aus? Die Antwort ist überraschend vielfältig. Mal wird gefastet, mal geschlemmt, mal kommen zwölf Gerichte auf den Tisch, mal nur eines. Eine kleine kulinarische Reise durch Europa.

Italien: Fisch am Heiligabend, Brühe am Feiertag

In Italien beginnt Weihnachten mit Verzicht, zumindest ein bisschen. Am Heiligabend, der Vigilia di Natale, verzichten viele Familien traditionell auf Fleisch. Stattdessen kommen Fischgerichte auf den Tisch, besonders im Süden des Landes: Stockfisch, Meeresfrüchte, frittierter Aal. Wie streng dieser Verzicht ausgelegt wird, unterscheidet sich allerdings von Region zu Region, und in vielen Familien ist das „magere“ Abendessen inzwischen alles andere als karg. Am ersten Feiertag wird es dann deutlich üppiger. Zum Dessert gehören fast überall Panettone aus Mailand oder Pandoro aus Verona. An der Frage, welcher der beiden besser schmeckt, scheiden sich die Geister bis heute.

Frankreich: Das große Réveillon

Die Franzosen feiern am Abend des 24. Dezember das Réveillon, ein ausgedehntes Festmahl, das sich gerne bis tief in die Nacht zieht. Austern, Foie gras und Räucherlachs eröffnen den Abend, danach folgt meist ein festlicher Braten. Zum Abschluss gibt es die Bûche de Noël, eine Biskuitrolle in Form eines Holzscheits. In der Provence geht man noch einen Schritt weiter: Dort werden traditionell dreizehn Desserts serviert, die an Jesus und die zwölf Apostel erinnern sollen. Wer danach noch Platz hat, verdient Respekt.

Der Kapaun: Ein Festtagsgeflügel mit langer Geschichte

Ein Gericht verbindet Frankreich und Italien an Weihnachten ganz besonders: der Kapaun. Was die Franzosen als chapon und die Italiener als cappone kennen, ist ein kastrierter, langsam gemästeter Hahn. Sein Fleisch ist zarter und saftiger als das eines gewöhnlichen Hähnchens. Das Fett verteilt sich fein im Muskel und sorgt für ein ausgesprochen mildes Aroma. In Frankreich kommt er gerne knusprig gebraten mit Maronenfüllung auf den Tisch. In Norditalien dagegen wird er oft zu einer kräftigen Brühe ausgekocht, in der am Weihnachtstag gefüllte Teigtaschen wie Tortellini schwimmen. Auch hierzulande entdecken immer mehr Genießer den Kapaun als Alternative zur Gans, gerade für kleinere Runden. Weil das Angebot begrenzt ist und meist über spezialisierte Metzgereien läuft, lohnt es sich, ihn rechtzeitig vor den Feiertagen zu bestellen.

Polen: Zwölf Gerichte und ein leerer Stuhl

Kaum ein Land nimmt den Heiligabend so ernst wie Polen. Die Wigilia beginnt traditionell, sobald der erste Stern am Himmel zu sehen ist. Auf den Tisch kommen zwölf fleischlose Gerichte, eines für jeden Monat oder, je nach Deutung, für jeden Apostel. Klassiker sind die rote Rübensuppe Barszcz mit kleinen gefüllten Teigtaschen, Pierogi und vor allem Karpfen. Vor dem Essen teilen sich alle Anwesenden den Opłatek, eine dünne Oblate, und wünschen einander dabei Gutes für das kommende Jahr. Ein besonders schöner Brauch: Viele Familien decken einen zusätzlichen Platz ein, für einen unerwarteten Gast, der an diesem Abend niemals abgewiesen werden soll.

Skandinavien: Das Buffet als Festmahl

In Schweden heißt das Zauberwort Julbord, ein reich gedeckter Weihnachtstisch, an dem sich jeder nach Lust und Laune bedient. Eingelegter Hering in verschiedenen Varianten, Weihnachtsschinken, Köttbullar und der cremige Kartoffelauflauf Janssons frestelse gehören fast immer dazu. Zum Nachtisch gibt es Milchreis, in dem eine einzelne Mandel versteckt ist. Wer sie findet, darf sich auf Glück im neuen Jahr freuen. Dieser Brauch hält Kinder wie Erwachsene gleichermaßen in Spannung. In Norwegen wiederum streiten die Regionen gerne darüber, was wirklich auf den Teller gehört: knusprige Schweinerippe oder gedämpfte Lammrippe.

Großbritannien: Truthahn, Pudding und Knallbonbons

Auf der Insel wird erst am 25. Dezember richtig gefeiert. Das Christmas Dinner ist eine ziemlich opulente Angelegenheit: gebratener Truthahn mit Füllung, Rosenkohl, Röstkartoffeln und reichlich Bratensoße. Zum Abschluss wird der Christmas Pudding serviert. Das ist eine schwere, dunkle Früchte-Leckerei, die oft schon Wochen vorher zubereitet und vor dem Servieren mit Brandy flambiert wird. Wer darin eine eingebackene Münze findet, darf sich übrigens auf ein glückliches Jahr freuen. Dazu gehören die berühmten Christmas Crackers, die beim Aufziehen knallen und kleine Papierkronen freigeben. Die trägt dann tatsächlich die ganze Familie am Tisch, ganz ohne Ironie.

Ein Kontinent, viele Festtafeln

So unterschiedlich die Gerichte sind, eines haben alle diese Traditionen gemeinsam: Es geht weniger um das perfekte Rezept als um die Menschen, mit denen man am Tisch sitzt. Vielleicht ist genau das ein guter Anlass, in diesem Jahr ein wenig Europa in die eigene Küche zu holen. Das kann ein polnischer Barszcz als Vorspeise sein, ein französisch inspirierter Kapaun als Hauptgang oder schwedischer Milchreis mit versteckter Mandel zum Dessert. Neue Bräuche entstehen schließlich genau so: aus Neugier und der Lust, einmal etwas anderes auszuprobieren.